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Bernisches Historisches Museum restituiert Kulturgut nach Namibia

Das Historische Museum Bern gibt Kulturgüter an Namibia zurück
Das Historische Museum Bern gibt Kulturgüter an Namibia zurück Keystone-SDA

Nach 120 Jahren in Bern kehrt eine Sammlung von Kulturgütern nach Namibia zurück. Das Historische Museum hat das Eigentum an die Stadt Usakos übertragen, wo die Objekte einst unter kolonialen Umständen erworben wurden. Eine Ausstellung in Bern thematisiert die Rückgabe.

(Keystone-SDA) Die Schau «Destination: Usakos» läuft vom 18. September 2026 bis zum 4. Juli 2027, wie das Bernische Historische Museum (BHM) am Donnerstag mitteilte. Sie zeigt Objekte, deren Eigentum das Museum bereits an die namibische Stadt Usakos übertragen hat.

Die Sammlung entstand Anfang des 20. Jahrhunderts im damaligen «Deutsch-Südwestafrika». Der Schweizer Ingenieur Victor Solioz und seine Frau Marie eigneten sich 1906 rund 286 Alltagsgegenstände, Schmuck und Waffen von namibischen Eisenbahnarbeitern an. Solioz war damals als Chefingenieur für ein deutsches Eisenbahnprojekt tätig. Die genauen Umstände des Erwerbs sind bis heute nicht vollständig geklärt. Das Ehepaar brachte die Sammlung nach Bern, wo das Museum sie 1928 kaufte.

Jahrelanger Prozess der Rückgabe

Im Juni 2026 übertrug das BHM das Eigentum der gesamten Sammlung an das Stadtmuseum in Usakos. 28 der Artefakte befinden sich bereits in Namibia. Der Grossteil wird nun als Leihgabe in Bern gezeigt, bevor die Objekte Ende 2027 ebenfalls repatriiert werden.

Der Rückgabe ging ein mehrjähriger Prozess voraus. Seit 2018 vertiefte das Museum die Beziehungen zu Partnern wie der Museums Association of Namibia und dem Usakos Town Council. Ab 2023 entstand ein Kooperationsprojekt, in dem gemeinsam mit Nachkommen der Eisenbahnarbeiter neues Wissen über die Objekte erarbeitet wurde.

Aufarbeitung und Verantwortung

«Kulturerbe soll dort genutzt werden, wo es für Menschen Bedeutung hat als Quelle von Wissen und Identität», liess sich Museumsdirektor Thomas Pauli-Gabi in der Mitteilung zitieren. Der Ausstellungskurator Samuel Bachmann ergänzte, man könne eine Sammlung, die mit dem grössten nationalen Trauma Namibias verbunden sei, nicht gegen den Willen der Nachkommen zurückbehalten. Eine Studie aus dem Jahr 2024 zeigte, dass sich in Museen im deutschsprachigen Raum rund 19’000 Artefakte aus Namibia befinden, während das Nationalmuseum Namibias selbst nur über rund 1600 Objekte verfügt.

Eine Zukunft in Usakos

Für das Stadtmuseum in Usakos ist es die erste eigene Sammlung. Der Vizebürgermeister der Stadt, Kleophas Johannes, äusserte den Wunsch, dass die Artefakte die nächsten 120 Jahre im Usakos Museum überdauern. Sie dürften nicht erneut weggeschlossen werden, sondern müssten für die Gemeinschaft zugänglich sein.

Die Entwicklung von Usakos ist mit dem Bau der Otavi-Eisenbahn und deutscher Kolonialgeschichte eng verzahnt. Die Bahn fungierte am Beginn des 20. Jahrhunderts im damaligen Deutsch-Südwestafrika als logistisches Rückgrat der Kolonialmacht Deutschland. Die Bahn verband den Atlantikhafen Swakopmund mit lukrativen Kupferminen.

Für den Bau der Bahn und zur Ausbeutung der Minen wurden einheimische Arbeitskräfte ausgenutzt. Land und Rohstoffvorkommen wurden der indigenen Bevölkerung ohne Entschädigung entzogen. Der Bau der Otavi-Bahn gilt bis heute als Beispiel für die Verbindung von wirtschaftlicher Ausbeutung, militärischer Unterdrückung und der Etablierung kolonialer Strukturen.

www.bhm.ch

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