The Swiss voice in the world since 1935

Schutz und Rettung Zürich erhält nur zum Teil Elektro-Rettungswagen

Keystone-SDA

Schutz und Rettung Zürich ersetzt derzeit seine Rettungswagen. Nur ein Drittel von 27 Wagen wird elektrisch betrieben sein, trotz Klimavorgaben der Stadt. Das Stadtparlament stimmte den Ausgaben am Mittwoch gegen den Widerstand der SVP zu.

(Keystone-SDA) Schutz und Rettung Zürich (SRZ) testete in den letzten Jahren elektrisch betriebene Rettungsfahrzeuge. Ziel war es, entsprechend den städtische Klimazielen und der Netto-Null-Strategie, möglichst viele Fahrzeuge mit alternativem Antrieb zu beschaffen. Doch die Erfahrungen waren mässig gut, wie die Weisung des Stadtrats zeigt.

So habe sich gezeigt, dass die Fahrzeugkonzepte bei den Rettungswagen (RTW) mit Elektroantrieb noch nicht vollständig ausgereift seien. «Ein zum Elektrofahrzeug umgebauter RTW bewährte sich nicht. Die Fahrzeugsysteme führten unkontrollierte Neustarts durch, wodurch die Einsatzkräfte nicht losfahren konnten. Dieses Fahrzeug musste dem Hersteller zur Fehlerbehebung zurückgegeben werden», heisst es im Bericht.

Beim zweiten als Elektrofahrzeug konzipierten Fahrzeug hätten sich Ladekonflikte zwischen der Fahrzeugbatterie und den elektrischen Verbrauchern wie Licht, medizinische Geräte oder Kühlung ergeben, weshalb das Fahrzeug nachträglich modifiziert werden musste.

Fahrzeuge müssen immer einsetzbar sein

Nun sollen von den 27 Fahrzeugen nur 9 mit Elektroantrieb beschafft werden. Dem Stadtparlament legte der Stadtrat dafür einen Kredit von rund 4,2 Millionen Franken vor.

Die SVP wehrte sich im Gemeinderat mit Verweis auf die Probleme bei den Tests gegen die Anschaffung. «Ist Ideologie wichtiger als gesunder Menschenverstand?» fragte Stephan Iten. Die Kernaufgabe sei doch, dass die Fahrzeuge jederzeit einsetzbar seien. Er habe selber schon eine Stunde warten müssen, weil sein E-Auto ein Update machte, warf er ein.

Bei den anderen Parteien kam die Kritik nicht an. Martina Zürcher (FDP) sprach von einem Flottenmix, der sowohl Strommangellagen, als auch Treibstoffmangel berücksichtige. Auch Dieselautos könnten Ersatzteile brauchen oder nicht anspringen, sagte sie. Fabian Stieger (Grüne) sprach sich für den Weg des Stadtrats aus. «Ja, die Wagen müssen in erster Linie funktionieren, aber auch der Klimawandel ist Tatsache», sagte er.

Für die konventionellen, mit Diesel betriebenen Wagen, braucht es keine Genehmigung, diese gelten als gebundene Ausgaben. Weil die Elektro-Fahrzeuge neue Ausgaben sind, mussten sie durchs Parlament.

Weniger kaufen ist nicht möglich

Bezüglich der Diesel-Fahrzeuge weist der Stadtrat auf Verbesserungen hin. Diese würden klimafreundlich mit erneuerbarem Treibstoff aus gebrauchtem Speiseöl und Fetten betankt. Die CO2-Emissionen seien damit bereits 90 Prozent tiefer als bei konventionellem Diesel.

Bis 2030 sollen alle Fahrzeuge ersetzt sein. Weniger Wagen zu kaufen, sei keine Option. «Aufgrund der anhaltend hohen Einsatzahlen ist ein 1:1-Ersatz zwingend nötig», schreibt der Stadtrat.

Die Versorgungssicherheit stehe an erster Stelle, sagte Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart (Grüne) am Mittwoch. Der Mix gewährleiste diese. Das Parlament folgte ihr und stimmte mit 102 zu 15 Stimmen für den Kauf der Elektrowagen.

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft