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Umfrage zeigt nüchternen Blick auf Schweizer Geschichte

Keystone-SDA

Eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung hat einen faktenorientierten Blick auf die eigene Geschichte. Sie sieht die Staatsgründung eher im Jahr 1848 als 1291 und betrachtet Wilhelm Tell mehrheitlich als Mythos.

(Keystone-SDA) Dies geht aus einer Spezialausgabe des «Barometers für Zusammenhalt» von Feldschlösschen hervor, wie die «NZZ am Sonntag» berichtete. Eine Mehrheit von 52 Prozent der Befragten verband die Entstehung des Nationalstaats mit dem Jahr 1848, als der moderne Bundesstaat gegründet wurde. Lediglich ein Fünftel nannte das Jahr 1291 und den Bundesbrief der Urkantone.

Deutliche Unterschiede zeigten sich zwischen den Sprachregionen. In der Deutschschweiz dominierte das Jahr 1848 mit 58 Prozent. In der französisch- und italienischsprachigen Schweiz fiel das Bild laut der Umfrage uneinheitlicher aus. Auch zwischen den Generationen gab es Abweichungen. Während bei den über 65-Jährigen 59 Prozent das Jahr 1848 nannten, waren es bei den 18- bis 35-Jährigen nur 43 Prozent.

Auch die Symbolfigur Wilhelm Tell betrachtete eine Mehrheit als Mythos, wie es weiter hiess. Für 37 Prozent war er eine Sagengestalt und für 28 Prozent eine literarische Figur aus Friedrich Schillers Drama. Nur gut ein Viertel sah in ihm einen historischen Freiheitskämpfer. Besonders in der lateinischen Schweiz und bei jüngeren Befragten galt Tell eher als Freiheitskämpfer als in der Deutschschweiz und bei älteren Generationen. Eine Ausnahme bildeten die Anhänger der SVP: Von ihnen bezeichnete fast die Hälfte (47 Prozent) Tell als Freiheitskämpfer.

Selbstkritischer Blick

Einen selbstkritischen Blick zeigte die Bevölkerung bei der Frage, warum die Schweiz im Zweiten Weltkrieg unversehrt blieb. Als wichtigsten Grund nannte eine Mehrheit von 56 Prozent die Nützlichkeit des Landes als Finanzdrehscheibe für Nazi-Deutschland. Auch Kollaboration mit dem NS-Regime (36 Prozent) und diplomatisches Geschick (34 Prozent) wurden als wichtige Gründe genannt. Die militärische Verteidigungsstrategie des Reduits überzeugte hingegen nur 22 Prozent der Befragten. Ebenso wenige glaubten, die Neutralität sei der entscheidende Schutzfaktor gewesen.

Feldschlösschen lanciert seit 2025 den jährlichen Barometer «Zusammenhalt in der Schweiz», der auf einer repräsentativen Umfrage des Forschungsinstituts Sotomo basiert. Die Daten wurden von 2495 Personen ab 18 Jahren zwischen dem 24. Oktober und dem 3. November 2025 erhoben. Der diesjährige Barometer wurde im Februar 2026 publiziert. Die am Sonntag veröffentlichten Daten sind jedoch neu.

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